Kommentar von Christian Kitsch - Kult-Klub? Schalke muss aufpassen!
Das Wichtigste vorab: DANKE Dirk Oberschulte-Beckmann für über 30 Jahre Schalke-Stimme! Der „Quatscher“ hört aus gesundheitlichen Gründen auf. Er war mehr als „nur“ ein Stadionsprecher – er war Identifikationsfigur für Generationen königsblauer Anhänger.
1996 begann seine Mikro-Reise – weil ihm als Fan im Stadion das Vor- und Rahmenprogramm nicht passte. Damals noch mit dunkler Locken-Mähne.
Auch für mich ist er eine Legende: In seinem Start-Jahr schummelte ich mich zum ersten Mal als neugieriger Teenager mit gefälschtem Presseausweis aus dem Spielzeugladen im Parkstadion in die Spieler-Katakomben. Ich stellte mich dem Quatscher als „freier Nachwuchs-Journalist“ vor und wurde herzlich empfangen. Längst verjährt – trotzdem: Sorry dafür, Schalke!
Nun hat S04 einen Nachfolger präsentiert: Kevin Gerwin – ein professioneller Sprecher. Es wäre schneller aufzuzählen, bei welchen Vereinen und Verbänden er in der Vergangenheit noch nicht angeheuert hat.
Nicht falsch verstehen: Niemand will Schalkes neuer Stimme die Vereinsliebe absprechen! Und: Der gebürtige Hammer Gerwin wird seine Sache gut erledigen – Talent hat er beim Test gegen Real Madrid schon unter Beweis gestellt.
ABER: Die Identifikation, das Besondere, das „einer-von-uns-ausse-Kurve“-Gefühl, fehlen. Es ist ein weiteres Mosaiksteinchen auf dem Weg zu einem Schalker Normalo-Klub. Statt einen Nachfolger aus den eigenen Reihen, dem inneren Kreis, zu verpflichten, engagiert Königsblau einen Profi. Schade!
Gerade erst wurden die Trikot-Preise dramatisch erhöht, Parkplätze sind plötzlich doppelt (!) so teuer und um S04-Pressekonferenzen live sehen zu können, müssen Fans seit dieser Saison auch Kohle auf den Tisch legen.
Schalke lebt – wie kein anderer Verein – vom „wir-sind-anders“-Gefühl!
Entfremdung in einer Beziehung beginnt immer mit Kleinigkeiten und schleichend: Zahnpasta-Rückstände im Waschbecken, der nicht ausgeräumte Geschirrspüler, hochgeklappte Klobrille. In einem Kult-Verein können diese Kleinigkeiten das Melken von Fans und auch ein Profi-Stadionsprecher sein. Die Verantwortlichen müssen aufpassen, dürfen die Professionalisierungs-Schraube nicht überdrehen.
Der Quatscher war, ist und bleibt Kult. Schalke war und ist Kult – hoffentlich bleibt das auch so!
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