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Alice Miller : Frau Millers Gespür für Schuld

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Alice Miller : Frau Millers Gespür für Schuld

Wer war diese Frau, von der es trotz ihrer Weltbestseller kaum Fotos gibt? Vielleicht wusste das nicht einmal sie selbst.

Fest steht, dass Alice Miller am 12.

Januar 1923 als Alicija Englard in der polnischen Kleinstadt Piotrków Trybunalski südwestlich von Warschau geboren wurde.

Die Englards waren Juden und Alicijas Eltern überaus fromm.

Im Alter von neun Jahren, kurz vor der Machtübernahme der Nazis, lebte Alicija eine Zeit lang in Berlin – bei ihrer Tante Franja und deren Familie.

Dort ging es so viel freier zu als bei ihr zu Hause; am liebsten wäre sie für immer dortgeblieben.

Die frühreife Alicija empfand religiöse Gebote von jeher als unsinnig, ja unterdrückend.

Doch sie ahnte im Jahr 1932 noch nicht, dass ihr bald viel Schlimmeres bevorstand.

Zurück in Piotrków fühlte sich Alicija von ihren Eltern missachtet und bevormundet.

Ihr Vater hatte nur das vom Großvater gegründete Geschäft für Haushaltswaren im Sinn, und die Mutter prahlte vor Verwandten mit den guten Schulnoten der Tochter.

Dabei hatten diese rein gar nichts mit den Erziehungsmethoden im Hause Englard zu tun.

Die Tochter verdrehte genervt die Augen und dachte: eingebildete Kuh! Alicija hasste die Regeln und Verbote, die ihren Alltag prägten.

Was hatte sie den Eltern getan? Warum wurden ihre Wünsche stets übergangen? Als Erwachsene sollte sie kaum Erinnerungen an ihre Kindheit haben, mutmaßlich weil sie so schlimm gewesen war.

Eine starke Verdrängung, schrieb sie, sei »niemals grundlos«.

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