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Vater sticht Familie nieder und tötet Sohn - „Die Augen, die mich anguckten, hassten mich“

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Vater sticht Familie nieder und tötet Sohn - „Die Augen, die mich anguckten, hassten mich“

Bochum – Mit einer rosafarbenen Blumenspange im Haar sitzt sie vor dem Richter und spricht tapfer über den Mann, der vor wenigen Monaten noch ihr größtes Glück war und heute ihr schlimmster Albtraum ist. „Ich dachte, ich bin die glücklichste Frau der Welt“, sagt Anni M. (39) gefasst beim Prozessauftakt gegen ihren Ex-Mann Jan M. (40) vor dem Landgericht in Bochum. „Ich dachte wirklich, ich habe das große Los gezogen.“ Bis ihre heile Welt am 28. März zerbrach.

Die Familie sitzt an jenem Samstagvormittag im vollgepackten Auto. Anni und die beiden Kinder (13, 9) freuen sich auf den Urlaub auf Baltrum, Vater Jan muss noch einmal zurück in die Wohnung im dritten Obergeschoss eines Mehrfamilienhauses in Witten ( Nordrhein-Westfalen ). Der Familienvater will nur die Tickets für die Fähre ausdrucken – und kommt mit einem Messer in der rechten Hand zurück.

Laut Anklage soll Jan M. erst die Beifahrertür aufgerissen und seiner Frau mehrfach die zwölf Zentimeter lange Klinge in den Körper gerammt haben. Dann stach er auch auf den Sohn (13) ein und verfolgte schließlich seine Tochter (9) zurück ins Haus, die sich nicht mehr in die Wohnung retten konnte. Erbarmungslos metzelte er das wehrlose Mädchen nieder und flüchtete vom Tatort. Polizeibeamte konnten den Datenanalysten wenig später festnehmen.

Anni M. und ihre Tochter wurden bei dem Angriff lebensgefährlich verletzt und lagen anschließend im Koma. Der Sohn starb noch am Tatort an seinen schweren Verletzungen.

„Ich weiß, dass meine Tür aufgerissen wurde“, sagt Anni M. dem Richter. Alles ging ganz schnell. Sie habe erst gedacht, das sei ein Überfall und dass ihr Mann es sich nie verzeihen würde, dass er ihnen nicht helfen konnte. Dann fährt sie fort: „Ich habe keinen Schmerz gespürt, aber das Messer gesehen. Dann hat er auf mich eingestochen wie ein Berserker und ich kam nicht weg aus diesem vollen Auto.“ Ihren Mann habe sie in ihrer Todesangst gar nicht erkannt. Was die Hebamme noch weiß: „Die Augen, die mich angeguckt haben, haben mich gehasst.“

Blut sei ihren Rücken herabgelaufen, wenn sie sich bewegte. Anni M. glaubte, dass sie nicht überleben würde. „Ich hatte unglaubliche Angst, alleine zu sterben, und habe die Sanitäterin gefragt, ob wir Freunde sein können – damit ich nicht alleine sterben muss.“

Dass ihr Ex-Mann der Täter sein soll, erfuhr die beliebte Hebamme erst, als sie wieder aus dem Koma erwachte. Auch, dass ihr Sohn vom eigenen Vater getötet wurde. Es gilt als wahrscheinlich, dass Jan M. seine Familie loswerden wollte, weil sie für ihn laut Anklage eine finanzielle Belastung war.

Anni M. und ihre Tochter haben überlebt. Den Tod ihres Sohnes wird die Hebamme womöglich nie verkraften, sagt sie: „Mein Bauchgefühl hat mich nicht vor diesem Mann gewarnt. Mein Sohn ist einmal gestorben. Aber für mich stirbt er jeden Tag nochmal. Bis ich sterbe, werde ich mein Kind vermissen. Bis ich sterbe, werde ich an meinen Sohn denken und weinen. Und ich werde allen erzählen, wie toll er war. Ich möchte meinen Sohn einfach zurückhaben.“ Dann bricht Anni M. in Tränen aus.

Jan M. schwieg beim Prozessauftakt zu den Vorwürfen.

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