Schluss mit Qualm auf dem Wasen? - Asthmatiker klagt gegen Rauchen im Festzelt
Stuttgart – Die Aschenbecher sind auf den Kneipentischen lange verschwunden und wem nach dem Essen der Sinn nach einer Verdauungszigarette steht, muss unweigerlich vor die Tür. In ganz Deutschland ist die Gastronomie fest in der Hand der Nichtraucher. Einzig in den Zelten der Cannstatter Wasen wird emsig weitergequarzt. Das nach dem Oktoberfest zweitgrößte Volksfest der Welt ist ein gallisches Dorf des blauen Dunstes. Doch nun regt sich Widerstand …
Deutschlandweit gilt der Cannstatter Wasen mit ihren jährlich 4 Mio. Besuchern als das letzte große Raucherparadies. Geht es nach Familienvater Helmut Feihl (57) und zehn weiteren Nichtrauchern, soll damit jetzt Schluss sein. Sie haben vor dem Verfassungsgerichtshof Baden-Württemberg Klage gegen das Rauchen in den acht Festzelten eingereicht.
Während auf dem Münchner Oktoberfest bereits seit 16 Jahren ein striktes Rauchverbot gilt, erlaubt Baden-Württemberg das Rauchen in den Stuttgarter Wasen-Zelten ausdrücklich. Genau das wollen Feihl und seine Mitstreiter jetzt ändern.
Seinen letzten Festzelt-Besuch auf dem Cannstatter Volksfest (dieses Jahr vom 25. September bis 11. Oktober) habe Helmut Feihl vor rund acht Jahren abgebrochen, sagt er: „Kaum waren meine Frau und ich im Zelt, schlug uns der Zigarettengeruch entgegen. Für mich war sofort klar: Hier halte ich es nicht aus.“ Als Asthmatiker leide er besonders unter Zigarettenrauch: „Der Qualm erschwert mir das Atmen.“
Der Versicherungsmakler aus Tübingen betont: „Ich bin keine Spaßbremse. Ich liebe Volksfeste und würde gerne wieder auf den Wasen gehen, um dort zu feiern. Deshalb habe ich als Mitglied des Vereins ,Pro Rauchfrei‘ sofort zugesagt, als ich gefragt wurde, ob ich als Kläger vor Gericht auftreten möchte.“
Für Volksfestbesuche fuhr er lieber aufs rauchfreie Oktoberfest in München. „Dabei liegt Stuttgart für uns praktisch vor der Haustür. Ich sehe nicht ein, warum rauchempfindliche Menschen wie ich auf ein Volksfest in einem anderen Bundesland ausweichen müssen.“
Ganz anders sieht das Stefan Palle-Binzer (48) aus Starnberg in Bayern. Der überzeugte Raucher sagt: „Jedes Jahr fahre ich mit meinem Mann Marek für ein Wochenende nach Stuttgart, weil wir dort die Geselligkeit, das Bier und auch das Rauchen genießen können. Auf dem Oktoberfest muss man jedes Mal aus dem Zelt hinaus in die Raucherbereiche. Das nervt einfach.“
Für diesen Herbst können Stefan, Marek und andere Raucher vorerst aufatmen. Die Stuttgarter Festwirte wollen derzeit nichts ändern. Ihr Sprecher Marcel Benz (47, Festzelt „Beim Benz“) sagt auf BILD-Anfrage: „Wir werden zunächst keine Maßnahmen ergreifen.“ Wie es nach dem Urteil weitergeht, sei offen: „Es ist schwer abzuschätzen, wie die Richter am Ende entscheiden werden.“
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