Spülen Sie Seifenspender nicht aus, wird er zur Keimfalle
Seife hat vermutlich jeder zu Hause. Bei manchen kommt sie in flüssiger Form aus dem Spender, bei anderen liegt sie als festes Stück in einer Schale. Welche reinigt hygienischer?
Grundsätzlich ist es der Job einer Seife, beim Händewaschen Schmutz und Krankheitserreger von der Haut zu entfernen. Den erledigen beide Varianten gleich gut: „Es ist im Grunde egal, ob Sie flüssige oder feste Seife nehmen“, bestätigt Prof. Iris Chaberny.
Da Flüssigseifen meist pH-neutral sind, sind sie sanfter zur Haut und weil sie in einen Behälter gefüllt werden, können sich auf ihr erst einmal keine Erreger ansetzen . In dieser Hinsicht könnte man also sagen, sie sind hygienischer – und geeignet für öffentliche Waschräume, in denen viele verschiedene Menschen die Seife benutzen. Denn der Inhalt kommt dank Spendersystem kaum mit den Händen in Kontakt und wird folglich auch nicht verunreinigt.
Allerdings muss der Behälter, wenn er leer ist, entweder entsorgt und erneuert oder vor dem Wiederbefüllen sauber gemacht werden. Sonst kann er mit der Zeit verkeimen , und zwar so stark, dass auf den Händen nach dem Waschen unter Umständen sogar mehr Erreger feststellbar sind als vorher.
Bei Einwegspendern, wie sie im Supermarkt zu bekommen und in vielen Privathaushalten zu finden sind, besteht diese Gefahr nicht. Es entsteht jedoch Müll, der bei Seifenstücken nicht anfällt. Was den Umweltaspekt angeht, ist die feste Seife also vorteilhafter – zumal sie häufig auch weniger Zusatzstoffe oder Mikroplastik enthält.
Die Direktorin des Instituts für Krankenhaus- und Umwelthygiene des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein sieht in puncto Wirksamkeit aber keine wissenschaftlich feststellbaren Unterschiede zwischen fest und flüssig. Jedoch sind Seifenstücke oft etwas alkalischer als die Variante aus dem Spender. Sie haben also einen höheren pH-Wert als die Haut.
Alkalische Seifen lösen Hautfette und Schmutz oft effektiver. Das heißt aber nicht, dass feste Seife Bakterien besser von der Haut entfernt. Sie dämmt lediglich das Bakterienwachstum auf dem Seifenstück selbst ein, da die Erreger einen neutralen pH-Wert bevorzugen.
Sinnvoll ist dieser Effekt allemal, denn Forschende fanden auf benutzten Seifenstücken häufiger Bakterien als in Flüssigseife aus Spendern. Das liegt daran, dass meist viele Hände ein Seifenstück direkt berühren – sei es in Familienhaushalten oder im Büro-WC – und seine Oberfläche nach Benutzung feucht bleibt. Dadurch gelangen einerseits verschiedene Erreger auf die Seife und diese können sich andererseits im feuchten Milieu gut vermehren.
Allerdings waren in der Studie vermutlich auch aufgrund des leicht alkalischen pH-Werts die Keimmengen auf der Seife gering, und die Bakterien wechselten ständig. Ein dauerhaftes Erregerreservoir entstand nicht. Hygienisch bedenklich sind Seifenstücke für gesunde Menschen also nicht. Allerdings trocknet eine alkalische Seife die Haut eher aus als eine pH-neutrale.
Im Alltag dürfte es für den Haus- oder Bürogebrauch aus hygienischer Sicht keinen Unterschied machen, ob die Seife am Waschbeckenrand fest oder flüssig ist.
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