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Waldbrand in Frankreich: Pfiffe für den Krisenmanager

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Waldbrand in Frankreich: Pfiffe für den Krisenmanager

Aufgebrachte Bürger haben den französischen Premierminister im Brandgebiet in der Gironde ausgepfiffen und ausgebuht. „Eine Schande, eine Schande!“, skandierten sie, während Regierungschef Sébastien Lecornu am Montag von Polizeikräften geschützt in die Feuerwehrkaserne von Le Porge eilte. In der 3500-Einwohner-Gemeinde hat das Feuer besonders gewütet: 183 Wohnhäuser wurden durch die Flammen zerstört. Ein ganzes Viertel besteht nur noch aus Brandruinen. Das erklärt die Verzweiflung und die Wut unter den Bewohnern, die alles verloren haben.

Regierungschef Lecornu sah sich ohne Pressebegleitung bereits am Sonntagnachmittag in der Ortschaft um und sprach mit Betroffenen. Viele machen die Regierung für die Brandkatastrophe verantwortlich. Der Staat habe zu wenig in Löschflugzeuge investiert und die Brandprävention vernachlässigt, lautet der Hauptvorwurf. Insgesamt wurden 42.000 Hektar durch den Brand südwestlich von Bordeaux verwüstet.

Über die sozialen Netzwerke wird das Gerücht kolportiert, die Regierung in Paris habe die Ortschaft Le Porge den Flammen preisgegeben, um die Sommervillen der Vermögenden auf der Urlaubshalbinsel Cap Ferret zu schützen. Die Erzählung von „oben gegen unten“ greift in Frankreich noch immer. Tatsächlich wurde das Feuer aufgehalten, bevor es die Anwesen des Telekom-Milliardärs Xavier Niel, des Schauspielers Guillaume Canet oder des Designers Philippe Starck auf Cap Ferret erreichen konnte. Die Klassenkampf-Erzählung rund um den Flächenbrand ist seither nicht mehr aus der Welt zu schaffen.

Der Chef der Minderheitsregierung kennt wie kein anderer die Wut im Land. Er setzte am Montag auf die Methode, mit der er Präsident Emmanuel Macron 2019 aus der Gelbwesten-Krise rettete. In der Feuerwehrkaserne organisierte er eine Gesprächsrunde mit dem Bürgermeister und Vertretern eines Bürgerkollektivs. Er versprach „volle Transparenz“ über den Rettungseinsatz der Feuerwehr. „Wir haben nichts zu verbergen“, sagte der Regierungschef und warnte vor „Verschwörungstheorien“, die dem unermüdlichen Einsatz der Feuerwehr nicht gerecht würden.

„Wir wollen die Wahrheit“, sagte Ludivine Daurignac, die das Bürgerkollektiv von Le Porge mit 750 Mitgliedern leitet. Daurignac hat ihr Haus durch die Brände verloren. Im Namen des Kollektivs will sie eine Klage gegen den Staat anstrengen, damit mögliche Versäumnisse aufgedeckt werden. Der Präsident des Départements Gironde, Jean-Luc Gleyze, forderte unterdessen, einen ständigen Luftstützpunkt für Löschflugzeuge in Mont-de-Marsan einzurichten. Die Idee ist nicht neu und war bereits nach dem Flächenbrand im Kiefernwald am Becken von Arcachon im Sommer 2022 bekräftigt worden. Doch fehlten aufgrund der Haushaltszwänge im hoch verschuldeten Frankreich die Mittel. Am Montag kündigte Lecornu an, dass zwölf Millionen Euro in den Wiederaufbau der Brandgebiete gesteckt werden sollen.

Lecornu versteht sich als Krisenmanager und war in der Sommerpause anders als seine Minister im Einsatz. Das entspricht seinem Selbstbild als „Mönch-Soldat“. Der 40 Jahre alte Regierungschef wollte in seiner Jugend zunächst ins Kloster gehen, später engagierte er sich freiwillig in der Armee.

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