Wenn Wasser nicht verschwindet - Wo ist dann unser Regen hin?
Die schlimmste Dürre-Periode in Deutschland ist offenbar vorbei. Doch die Hitzewellen der letzten Wochen haben den Rasen verbrannt, die Böden ausgetrocknet, Flüsse zu Rinnsalen und Seen zu Pfützen geschrumpft. Aber wo ist eigentlich unser ganzes Wasser hin, das bei über 40 Grad Celsius verdampft ist?
Diplom-Meteorologe Dominik Jung zu BILD: „Kurz vorweg: Es verschwindet nichts. Wasser wird nicht vernichtet, die Gesamtmenge auf der Erde ist praktisch konstant. Aber der Kreislauf ist global, nicht regional. Was über Deutschland verdunstet, regnet eben nicht zwangsläufig wieder über Deutschland ab – es kann Hunderte oder Tausende Kilometer weiter niedergehen.“ Vor allem in solch hitzigen Sommern sei es gut zu sehen: Während bei uns die Sonne brennt, säuft eine andere Region unter Dauerregen ab. Jung: „Der Wasserdampf, der bei uns aufsteigt, wird vom großräumigen Wind einfach mitgenommen und kommt woanders wieder runter. Der Kreislauf läuft – nur nicht über unseren Vorgarten.“
Da, wo der Regen dann am nötigsten ist, fällt er aber eben nicht. Solche Hitzeperioden , wie Deutschland sie in diesem Sommer erlebt hat, entstehen meist durch ein stabiles, kräftiges Hochdruckgebiet, das sich über Mitteleuropa festsetzt und wie eine Blockade wirkt. Jung: „In einem Hoch sinkt die Luft großräumig ab. Sinkende Luft erwärmt sich – und warme Luft kann viel mehr Wasserdampf aufnehmen, ohne dass er kondensiert. Die relative Feuchte sinkt, Wolken lösen sich auf, Regen wird regelrecht ‚ausgetrocknet‘. Selbst wenn also Wasser verdunstet, kondensiert es hier oben nicht zu Wolken und fällt nicht als Regen zurück.“ Also zum einen bilden sich keine Wolken dort, wo große Hitze herrscht. Zum anderen wirkt das Hoch wie eine Barriere. Atlantik-Tiefs, die sehr feucht sind und normalerweise Regen bringen, dringen nicht durch und werden herumgeleitet. Jung: „Nach Süden, nach Norden, jedenfalls an uns vorbei.“
Dominik Jung erklärt: „Ein einzelnes Wassermolekül, das über dem Rhein verdunstet, kann man nicht wie ein GPS-Paket verfolgen. ‚Unser’ Wasser vermischt sich sofort mit der übrigen Atmosphäre.“ Was der Wetter-Experte aber sagen kann: Wohin die Regenfronten gezogen sind, die normalerweise uns getroffen hätten. Jung: „Da gibt es eine ziemlich klare Antwort: Die normale West-Ost-Autobahn, auf der uns die Atlantik-Tiefs sonst den Regen bringen, war praktisch gesperrt. Die Frontalzone auf dem Atlantik existierte zeitweise gar nicht mehr. Die Tiefs zogen stattdessen von Island einen großen Bogen nach Norden Richtung Skandinavien.“ Die Nord-Region dort ist der Hauptempfänger des Regens aus den Tiefs, die nicht zu uns durchgedrungen sind. Jung: „Selbst innerhalb Deutschlands gab es dieses Gefälle. Der Nordwesten und Norden waren lokal sogar zu nass, während südlich einer Linie etwa zwischen Münster und Rostock ein deutliches Niederschlagsdefizit herrschte. Der Regen kam also durchaus runter – nur eben ein paar hundert Kilometer zu weit nördlich.“
Zu den Regenempfängern gehörten auch die Alpen und der Südosten.
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