Vor Landtagswahlen - Briefwahl im Fokus von Falschbehauptungen
Faktenfinder Vor Landtagswahlen Briefwahl im Fokus von Falschbehauptungen Stand: 27.08.2026 • 12:22 Uhr
Vor den anstehenden Landtagswahlen wird in Sozialen Medien das Gerücht verbreitet, dass die Briefwahl nicht sicher sei. Valide Begründungen dafür gibt es allerdings nicht.
Die Briefwahl wird seit Jahrzehnten immer beliebter. So haben beispielsweise bei der Bundestagswahl 2025 rund ein Drittel der Wähler ihre Stimme per Brief abgegeben. Wie auch zur Bundestagswahl gibt es jetzt vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt Behauptungen, dass die Briefwahl nicht sicher sei. Gerade auf der Plattform X werden vor allem von Personen aus dem rechtspopulistischen bis rechtsextremen Spektrum verschiedenste Vorwürfe laut.
Falsche Bilder und irreführende Behauptungen sollen einen angeblichen Wahlbetrug belegen. mehr
So behauptet ein reichweitenstarker User auf der Plattform X: "Man darf davon ausgehen, dass mit der Briefwahl in Sachsen-Anhalt das Wahlergebnis massiv verfälscht werden wird." Viele behaupten, dass zum Beispiel Mitarbeitende der Verwaltung die eingegangenen Briefwahlumschläge vor der Wahl zugunsten linker Parteien sortieren würden. Mehrere AfD-Politiker hatten jüngst die Sicherheit der Briefwahl angezweifelt.
Ein Blick auf vergangene Wahlen zeigt, dass es vereinzelte Fälle von Wahlbetrug gegeben hat. In einem Fall manipulierte ein Mann aus Dresden bei der Kommunal- und der Landtagswahl 2024 Briefwahlstimmzettel vor allem zugunsten der rechtsextremen Partei Freie Sachsen, in mehreren Fällen auch zugunsten der AfD. Bei einem anderen Fall in Bayern soll ein Ex-Bürgermeister Briefwahlunterlagen manipuliert haben. In Stendal fälschte ein ehemaliger Stadtrat Hunderte Wahlvollmachten, um so an die Briefwahlunterlagen zu kommen.
Solche Einzelfälle hat es immer mal wieder gegeben. Allerdings gab es nie einen großen, systematischen Betrug. Probleme mit der Briefwahl liegen meist eher in der Durchführung - wie das Beispiel der Bundestagswahl 2021 in Berlin zeigte. Auch eine Studie aus dem Jahr 2021, die die Bundestagswahlen von 1998 bis 2017 untersucht, kommt zu diesem Ergebnis: Schwachstellen der Briefwahl lägen vor allem in der Organisation und Logistik. Insgesamt heißt es aber, dass die Briefwahl sicher ist: "Kein Vorfall hätte das Wahlergebnis um auch nur einen Sitz verändern können."
"Es gibt keinerlei Anhaltspunkte, dass es bei der Briefwahl strukturelle Manipulation gibt," erklärt der Wahlforscher Eric Linhart von der TU Chemnitz. Natürlich könne es bei der Briefwahl zu einzelnen Manipulationsversuchen kommen, aber nicht in einem großen Umfang. Die größte Gefahr durch Beeinflussung sieht Linhart innerhalb von Familien:
Auch die Wahlleiterin von Sachsen-Anhalt, Christa Dieckmann, sieht die Briefwahl als sehr sicher. Gerade weil das Wahlsystem fortlaufend überprüft werde: "Jede Wahl wird evaluiert und im Anschluss überarbeiten wir die Regeln, wenn etwas nachjustiert werden muss."
Im Vorfeld der Wahl in Sachsen-Anhalt kam es zu einem Fehler beim Versenden der Briefwahlunterlagen in der Stadt Magdeburg. Insgesamt 440 Menschen in der Landeshauptstadt haben zweimal ihre Briefwahlunterlagen bekommen.
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