Wertvolle Ökosysteme bedroht - Ölteppich im Persischen Golf nach US-Angriff
Berlin – Nahe der iranischen Küste treibt ein riesiger Ölteppich. Die Verschmutzung könnte vom Rohöltanker „Riesco“ stammen – einem 240 Meter langen Schiff, das die USA am Dienstag versenkt haben. Satellitenbilder zeigen: Die betroffene Wasserfläche wuchs innerhalb eines Tages von 200 auf 400 Quadratkilometer.
Das Ausmaß der Umweltkatastrophe belegen Satellitenaufnahmen, die der „Spiegel“ jetzt ausgewertet hat. Die Verschmutzung stammt offenbar vom Rohöltanker „Riesco“, einem 240 Meter langen und 42 Meter breiten Schiff, das unter der Flagge von Simbabwe fuhr. Der Tanker meldete seinen letzten Standort nahe der Stelle, an der jetzt das Öl ins Meer läuft. Er könnte Teil der iranischen Schattenflotte gewesen sein. Das US-Militär behauptet jedenfalls, der Tanker habe in direkter Verbindung mit den iranischen Revolutionswächtern gestanden. Die Amerikaner hatten nach eigenen Angaben am vergangenen Samstag drei und am Dienstag nochmals fünf Öltanker angegriffen, darunter eben auch die „Riesco“.
Noch schwimmt der Ölteppich auf dem offenen Meer. Kritisch wird es, wenn das Rohöl an die Küsten gespült wird. Denn auf der iranischen Seite der Straße von Hormus liegen die Feuchtgebiete von Rud-e Gaz und Rud-e Hara, ein 150 Quadratkilometer großes Schutzgebiet aus Mangroven. Ein Gebiet voller Fische, Meeresschildkröten, Wasserschlangen. Zudem sind die Mangroven ein Überwinterungsgebiet für Zugvögel. Die sogenannten Hara-Wälder sind einzigartige Ökosysteme in der sonst trockenen Küstenlandschaft Irans.
Seit der Irankrieg begonnen hat und die Kriegsparteien Tanker beschießen, ist mehrfach Öl in der Straße von Hormus, dem Persischen Golf und dem Golf von Oman ausgetreten. Laut dem katarischen Nachrichtenportal Al Jazeera wurden bislang mindestens 75 Schiffe angegriffen, wobei mindestens 21 Seeleute getötet wurden.
Dass der Krieg ökologische Folgen hat, zeigt auch eine Studie der University of South Florida aus dem Frühjahr. Die Forscher werteten Nasa-Satellitendaten vom März aus und verglichen diese mit dem Vorjahr: Im März 2026 bedeckten Ölteppiche im Persischen Golf demnach viermal so viel Fläche wie ein Jahr zuvor.
Das Risiko, dass Öltanker beschossen werden, steigt nun auch im Roten Meer. Dort könnten die mit Iran verbündeten Huthis die Meerenge Bab al-Mandab, die den Golf von Aden mit dem Roten Meer verbindet, blockieren.
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