DFB-Vize erhöht Druck - Tennisball-Proteste zurück in deutschen Stadien
Die Tennisbälle kehren in die Stadien zurück! Am vergangenen Wochenende flogen in mindestens sechs Partien der Regionalliga Nordost die Filzbälle aufs Feld. Jeweils zu Beginn der zweiten Hälfte führten die Fanszenen bewusste Spielunterbrechungen herbei. Der Grund ist die größte Ungerechtigkeit im deutschen Ligen-System.
Bisher steigen nur die Viertliga-Meister aus dem Westen und Südwesten direkt in die 3. Liga. Die Auswirkungen zeigen sich dort massiv: 14 von 20 Klubs kommen aus diesen beiden Regionen - nur sechs aus Bayern, dem Norden und Osten. Diese drei Regionalligen dürfen nur einmal alle drei Jahre ihren Meister in die 3. Liga gehen lassen, müssen sonst in eine Relegation. Der Protest dagegen ist bundesweit organisiert, im Osten aber am schärfsten, dort entlädt sich teils regelrecht Wut.
Unter anderem in Chemnitz (gegen Aue), Erfurt (gegen Magdeburg II), bei Chemie Leipzig (gegen Jena), Tasmania Berlin (gegen Lok Leipzig), Altglienicke (gegen Halle) wurden die Tennisbälle meist aus den Gästeblöcken auf den Platz geworfen. Am längsten aber dauerte die Unterbrechung in Potsdam.
Bei SV Babelsberg gegen Eintracht Stahnsdorf wurde ein Banner entrollt: „Wären Meister aufgestiegen, würden keine Bälle fliegen!“ Doch die Flut hörte nicht mehr auf, Schiedsrichter Jens Klemm schickte die Teams in die Kabine, SVB-Kapitän Laurin von Piechowski (32) musste auf die Fans einwirken. Erst nach sieben Minuten und 18 Sekunden ging's überhaupt weiter.
Zuvor hatten die Babelsberger das Stadion beim Einlaufen der Mannschaften bereits auf allen Tribünenseiten mit Spruchbändern zugekleistert. „Verbände radikal reformieren“, war eine von dutzenden Botschaften.
In der Nordost-Staffel nehmen die permanenten Spielstörungen zu. Die Klubs lassen ihre Spieler mittlerweile zwei Minuten nach dem Anstoß regungslos stehen. Der Nordostdeutsche Fußball-Verband (NOFV) verhängt keine Strafen, erhöht stattdessen den Druck auf den DFB.
Der NOFV teilte Präsident Bernd Neuendorf (65) zuletzt in einem Brief mit: „Die Vereine und Fans haben über Jahre hinweg Geduld bewiesen und sich konstruktiv in die Diskussion eingebracht. (...) Die Proteste verstehen wir deshalb nicht als Ausdruck von Konfrontation, sondern als deutliches Zeichen dafür, dass die Erwartungen an den Reformprozess verständlicherweise weiterhin sehr hoch sind und keineswegs nachlassen werden.“
Auch in den Regionalligen Bayern, Nord und West sowie der 3. und 2. Liga gibt es Spruchbänder für die Einführung des Kompassmodells (vier Staffeln nach kürzesten Fahrtstrecken). NOFV-Präsident und DFB-Vize Hermann Winkler (63) im MDR: „Wir haben ja ohnehin vor, im Herbst einen außerordentlichen DFB-Bundestag zur Gründung der Frauen-Bundesliga einzuberufen. Da bietet es sich förmlich an, den Tagesordnungspunkt zur Reform der Regionalligen aufzunehmen. Das ist keine lose Drohung, sondern ein ernstgemeinter Vorschlag.“
Der NOFV kann den Antrag zur Sitzung und den Beschluss allein stellen . Zur Verabschiedung braucht es laut Juristen eine Zwei-Drittel-Mehrheit.
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