Drei Jahre nach Verbot - Razzia gegen Neonazi-Sekte „Artgemeinschaft“
Berlin – Drei Jahre nach dem Verbot schlägt der Staat erneut zu: Seit dem frühen Morgen durchsuchen Polizei und Staatsschützer Objekte in fünf Bundesländern. Das Ziel sind mutmaßliche Anhänger und Sympathisanten der Neonazi-Sekte „Artgemeinschaft“. Die Gruppe sah sich als Bewahrer einer nordisch-germanischen Rasse, die anderen Menschen überlegen sei. Ihre Ansichten waren rechtsextrem. Deshalb wurde der Verein 2023 verboten. Doch die Sekte scheint überlebt zu haben.
Insgesamt 14 Objekte in Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt stehen im Mittelpunkt der Razzia . Zuvor hat der „SPIEGEL“ darüber berichtet. Es gab keine Festnahmen, aber die Beamten sicherten Beweismittel.
Ausgelöst wurde die Razzia offenbar durch ein Ermittlungsverfahren des Landeskriminalamtes Sachsen-Anhalt. Nach BILD-Informationen sollen die Beschuldigten im Juni an einer sogenannten Sommersonnenwendfeier in Sachsen-Anhalt teilgenommen haben. Daraufhin durchsuchten Beamte Objekte in Bielefeld. Das führte zu neuen Ermittlungen und schließlich zur heutigen Razzia.
Das Objekt in Sachsen-Anhalt soll das Anwesen des AfD-Landtagskandidaten Simon Lansmann in Gardelegen-Ipse sein, berichtet der „SPIEGEL“. Dort soll im Juni die Sonnenwendfeier stattgefunden haben. Damals sollen mehrere Gäste aus dem Dunstkreis der Sekte anwesend gewesen sein, schreibt das Magazin.
Die „Artgemeinschaft“ ist nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) „eine sektenähnliche, religiös-völkische, anti-christliche und rechtsextreme Organisation“. Der Verein forderte etwa eine „gleichgeartete Gattenwahl“ als „Gewähr für gleichgeartete Kinder“. Die „Artgemeinschaft“ wurde 1951 von Alt- Nazi Wilhelm Kusserow gegründet. Seit 1957 war sie ein eingetragener Verein mit Sitz in Berlin.
Die Gruppe knüpfte „unmittelbar an die Rassenlehre des Dritten Reiches an“, schrieb der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen kurz vor dem Verbot 2023. Die „Artgemeinschaft“ benutze ein „neuheidnisches Weltanschauungsgebild“ als Vehikel, um „rechtsextremistisches Gedankengut gesellschaftspolitisch zu verbreiten“.
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