Nach Hautkrebsvorsorge auch Zweifel an Chlamydien-Screening
Chlamydien sind weltweit die häufigste sexuell übertragbare bakterielle Infektion – und in den meisten Fällen verursachen sie überhaupt keine Symptome. Deshalb können sich Frauen unter 25 einmal im Jahr darauf testen lassen, auch ohne Verdacht. Diese Vorsorge sieht die Leitlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses ( G-BA ) vor, die 2008 eingeführt wurde. Das Ziel dahinter: Infektionen früh abfangen und langfristige Komplikationen verhindern.
In den Niederlanden hat man dazu Fazit gezogen: Der Nutzen eines Screenings ohne Anlass sei nicht hinreichend belegt. Seit dem 1. Januar 2025 werden Frauen ohne Symptome in öffentlichen Gesundheitsämtern nicht mehr routinemäßig auf Chlamydien getestet.
Nach dem kürzlich verabschiedeten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, das das anlasslose Hautkrebsscreening wegen fehlender Evidenz strich , stellt sich daher die Frage: Sollte das Chlamydienscreening folgen?
„Es scheint mit Blick auf die Prävention späterer Komplikationen nichts zu bringen, asymptomatische Tests bei Chlamydien breitflächig durchzuführen“, sagt Henry de Vries. Er ist Professor für Hautinfektionen an der Universität von Amsterdam und hat die jüngste Empfehlung zum Chlamydienscreening mitverantwortet.
Die Empfehlung basiert auf einer Studie. De Vries und andere Forscher kontaktierten 2008 über 200.000 Frauen und luden sie zum Chlamydienscreening ein. Diejenigen, die reagierten, wurden dann 14 Jahre lang begleitet: Sie wurden jährlich getestet, gaben Blutproben ab und beantworteten Fragen zum Verlauf ihrer Infektion. Verglichen werden konnte damit erstmalig, wie sich eine positive Chlamydieninfektion auf spätere Komplikationen, den Kinderwunsch und die Schwangerschaft auswirkt.
Das Ergebnis: Das Risiko für Komplikationen ist für Frauen mit vergangener Infektion bis zu 2,8-mal höher. Allerdings gilt das nur für symptomatische Infektionen. Vergleicht man Frauen mit einer asymptomatischen Infektion mit Frauen, die noch nie infiziert waren, so sind die Unterschiede für alle Outcomes nicht signifikant.
Unbehandelte Chlamydien können in den oberen Genitaltrakt aufsteigen und zu einer Beckenentzündung (Pelvic Inflammatory Disease, PID) führen. Eine Infektion kann auch die Eileiter schädigen und Verklebungen verursachen und so auch die Fruchtbarkeit vermindern.
Die Sorge, dass junge Frauen eine unbemerkte Infektion in sich tragen, die ihre Fruchtbarkeit nachhaltig schädigen kann, war einer der Hauptgründe, das Chlamydienscreening überhaupt einzuführen. Doch de Vries und seine Kollegen sagen nun: Die Chance, dass das passiert, geht gegen Null.
Im Gegenteil zeige die Studie, dass asymptomatische Infektionen in den meisten Fällen deutlich harmloser seien als bislang angenommen, sagt de Vries: „Menschen bekommen Chlamydien, haben sie für einen bestimmten Zeitraum und dann kann sie der Körper selbst ausscheiden.“ In diesem Sinne sei die Chlamydieninfektion mit einer Infektion mit humanen Papillomviren (HPV) vergleichbar, die viele sexuell aktive Menschen bekommen.
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