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Für eine kleine Inventur der Sehnsüchte - Warum der September das bessere Silvester ist

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Für eine kleine Inventur der Sehnsüchte - Warum der September das bessere Silvester ist

Silvester hat einen kleinen Bruder. Er trägt keine Glitzerbrille und knallt keine Raketen – verspricht mir aber genauso ein neues Leben. Es ist der erste Montag nach den Sommerferien.

An diesem Montag bin ich jedes Jahr überzeugt, ein neuer Mensch werden zu können. Überzeugter als am 1. Januar. Denn diesmal nagele ich die Liste meiner guten Vorsätze nicht auf Winterblues und einen leichten Kater. Ich habe die Inspiration des Sommers im Rücken.

Nach diesen Ferien bin ich etwa ein Mensch, der Brot backt. Im Sardinien-Urlaub gehörte frisches Ciabatta zum täglichen Ritual. Dazu Olivenöl, Salz – mehr brauchte es nicht. Leider führt mein Provinz-Bäcker kein Ciabatta. Also werde ich es jetzt regelmäßig selbst backen. Natürlich werde ich das. Und knete den ersten Hefeteig meines Lebens, erfüllt von Achtsamkeit.

Dabei hört es nicht auf. Am Strand war ich mit den Menschen, die mir wichtig sind. Zwei Wochen keine Energieräuber, keine Pflichtverabredungen, kein „Wir müssten auch mal wieder“. Und siehe da: Man lebt noch. Sogar ziemlich gut. Also werde ich ab jetzt bewusster Zeit mit den Menschen verbringen, die mir wirklich wichtig sind.

Überhaupt diese Ferien-Leichtigkeit. Keine Termine. Weniger Handy. Abends draußen sitzen, obwohl eigentlich nichts mehr passiert. Nicht ständig irgendwohin müssen. Im Urlaub erscheint einem das eigene Leben plötzlich wie eine Wohnung, in der viel zu viele Möbel stehen. Man möchte nach Hause fahren und erst einmal die Hälfte rauswerfen.

Und genau das mache ich jetzt. Wirklich! An diesem ersten Montag nach den Ferien bin ich ein neuer Mensch.

Die Psychologie hat einen Namen für meinen Größenwahn: den „Fresh Start Effect“. Unser Gehirn liebt zeitliche Markierungen. Geburtstage, Jahresanfänge, der Erste eines Monats – solche Daten teilen unser Leben in Kapitel. Das alte Ich bleibt zurück, zusammen mit seinen schlechten Gewohnheiten. Das Neue darf auf einer leeren Seite anfangen.

Mein Ich ist wie die neuen Schulhefte meiner Kinder: frisch eingeschlagen, keine Eselsohren, keine verschmierte Schrift, keine halb erledigten Aufgaben. Noch hat niemand über den Rand geschrieben.

Von allen Neustarts, die das Jahr zu bieten hat, halte ich das kleine Silvester nach den Sommerferien für den besten. Das echte Neujahr hat nämlich miserable Arbeitsbedingungen. Draußen ist es dunkel, nass und kalt. Meine Mitmenschen schleppen sich verrotzt ins Büro und schälen sich aus Wintermänteln. Und ausgerechnet jetzt soll ich anfangen, zu joggen, weniger zu essen und mein gesamtes Leben zu optimieren? Am besten noch glücklich zu sein? Das ist ein Härtetest.

Das kleine Silvester Ende August hat Sonne. Die Kollegen kommen braun gebrannt zurück, zeigen Schnappschüsse aus dem Urlaub und erzählen von Bergen, Meer und Fernweh.

Vor allem aber bringen wir etwas mit: eine Idee davon, wie unser Leben auch sein könnte. Ein bisschen langsamer. Ein bisschen einfacher. Mit mehr Zeit für selbstgebackenes Ciabatta.

Der erste Montag nach den Sommerferien sagt: „Du hast doch gerade gesehen, wie schön dein Leben ist. So kann es ab jetzt immer sein.“

Leider ist das kleine Silvester am Ende auch nur der bessere Verkäufer.

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5News hat diese Zusammenfassung aus dem öffentlichen Feed der Quelle übernommen. Der vollständige Artikel mit allen Details steht auf www.bild.de — der Inhalt gehört Bild.

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