Nach der Hitze, vor der heißen Wahlkampfphase
wer hätte das gedacht: Ich freue mich über kühle Polarluft und graue Regenschleier - auch wenn es nicht gleich so heftig sein muss, wie heute Nacht. Nach wochenlangen Extremtemperaturen japst der Körper nach Abkühlung und der Kopf nach einer Auszeit vom Hitzestress. Beides gönnt uns das Wetter, zumindest für ein paar Tage - und das ist gut so, denn politisch steht dem Land genug Stresspotenzial bevor.
In Sachsen-Anhalt wird in zweieinhalb Wochen gewählt, zwei Wochen später bestimmen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin die Wählerinnen und Wähler ihre Volksvertreter für die kommenden Jahre. In Mecklenburg-Vorpommern liegt die AfD in Umfragen vorne, in Sachsen-Anhalt kommt sie, je nachdem, wie viele Parteien es über die Fünf-Prozent-Hürde schaffen, der absoluten Mehrheit und damit dem ersten AfD-Ministerpräsidenten womöglich zum Greifen nahe.
Eine AfD-Regierung verhindern - was sich fast alle anderen Parteien auf die Fahnen geschrieben haben - das geht am Ende vielleicht nur unter Aufgabe der Brandmauer, mit der sich die CDU bislang sowohl von der AfD als auch von der Linken abgrenzt.
Das ZDF-Politbarometer hat vor diesem Hintergrund gefragt, ob die Deutschen diese Abgrenzung der CDU weiterhin für richtig halten. Eine Mehrheit sagt Ja, wenn es um die AfD geht. Doch mit Blick auf die Linke halten die meisten Befragten die Brandmauer für falsch. Darin dürfte sich auch die Sorge spiegeln, die die Mehrheit der Deutschen mit einer möglichen AfD-Landesregierung verbindet: Die meisten glauben, dass sich dies negativ auf die Politik im Bundesland auswirken würde.
Die Wahlen könnten auch die Zukunft der Parteivorsitzenden von CDU und SPD beeinflussen. Deren Rückhalt in den eigenen Parteien halten die Deutschen aktuell für schwach. Dass CDU und SPD voll hinter ihren Parteivorsitzenden stehen, glauben jeweils nur wenige. Die Mehrheit sieht keine volle Rückendeckung für Friedrich Merz, Lars Klingbeil und Bärbel Bas. Und die schlechte Nachricht für die Parteichefs: Diese Meinung teilen mehrheitlich auch die eigenen Parteianhänger.
Der Wahlkampf wird heiß und auch die Sommerhitze könnte noch einmal zurückkommen, wenn das Wetterphänomen El Niño bald neue Wärme Richtung Europa schaufelt. Viel Hoffnung, dass die Politik ausreichend Maßnahmen ergreifen wird, um auf zukünftige Hitzewellen gut vorbereitet zu sein, hat sich laut ZDF-Politbarometer noch nicht breit gemacht. Rund drei Viertel der Deutschen sehen die Vorkehrungen auf Seiten der Politik skeptisch - und verlassen sich vermutlich lieber auf den eigenen, kühlen Kopf.
Shakuntala Banerjee, Leiterin der Hauptredaktion Politik und Zeitgeschehen
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