Skandal um Kunstwerk an Konstablerwache - Experte rechnet mit Frankfurt wegen 2,3-Mio.-Netz ab
Frankfurt/Main – Das Riesennetz für 2,3 Millionen Euro schwebt seit dem 11. August über dem Drogen-Hotspot Konstablerwache in Frankfurt. Doch der Streit um das Kunstwerk nimmt kein Ende. Und die politisch Verantwortlichen geraten in Erklärungsnot. Denn der Auftrag wurde ohne Ausschreibung vergeben. War es womöglich eine rechtswidrige Mauschelei auf Kosten der Steuerzahler?
Jonas Kollewe (46) ist ein renommierter Fachanwalt für Vergaberecht in Frankfurt . Den Experten macht fassungslos, „ mit welcher Sorglosigkeit hier mit öffentlichen Mitteln umgegangen wird “. Er stellt auf BILD-Anfrage klar: „Grundsätzlich müssen solche öffentlichen Aufträge ab 216.000 Euro, teilweise auch erst ab 750.000 Euro, europaweit ausgeschrieben werden.“ Wenn kein solches Vergabeverfahren stattfinde, „ist das meiner Ansicht nach grob rechtswidrig“.
Es gebe Ausnahmen bei Kunstwerken , diese seien jedoch eng auszulegen. Kulturdezernentin Ina Hartwig (63, SPD) nennt die Installation ein „einzigartiges Kunstwerk mit spezifischen Anforderungen“. Das würde bedeuten, dass beispielsweise nur ein einziger Künstler den tristen Platz mit einem Netz überspannen könnte. Anwalt Kollewe bezweifelt, dass das hier der Fall ist.
Frankfurt hätte einen Gestaltungswettbewerb durchführen können. Der Experte: „Das Vorurteil, dass der günstigste Vorschlag genommen werden muss, ist Unfug.“ Die Stadt hat aber nur mit der US-Amerikanerin Janet Echelman verhandelt . Über das Honorar schweigt man. „Genaue Beträge dürfen wir aus rechtlichen Gründen nicht nennen“, heißt es aus dem Dezernat.
Brisant: Designer Roland Lambrette (74) ist Gesellschafter der GmbH, die das Netz und weitere Projekte der „Weltdesignhauptstadt 2026“ in Frankfurt koordiniert. Er ist zugleich Ex-Geschäftsführer der Agentur, die den Millionenauftrag gemeinsam mit der US-Künstlerin bekam. Besteht da ein Interessenkonflikt? Fachanwalt Kollewe: „Wenn er auf städtischer Seite beteiligt war und ein direktes oder auch nur indirektes finanzielles, wirtschaftliches oder persönliches Interesse daran hatte, dass die Agentur den Auftrag erhält, hätte der Auftrag nicht vergeben werden dürfen.“ Das müsse aufgeklärt werden.
Roland Lambrette erklärt auf BILD-Anfrage: „Es gibt keine Berührungspunkte und keinen Interessenkonflikt.“ Das Vergabeverfahren sei einzig über das Kulturdezernat gelaufen. „In diesen Prozess war ich nicht eingebunden“, so der 74‑Jährige. Das beauftragte „Atelier Markgraph“ habe er 2017 verlassen.
In den sozialen Medien wird das Kunstwerk „A Sky Full of Hope“ („Ein Himmel voller Hoffnung“) längst zu „A Sky Full of Dope“ („Ein Himmel voller Drogen “). Schließlich ist die „Konsti“, wie der hässliche Platz fast liebevoll genannt wird, seit Jahren ein Drogen-Hotspot. Doch der Skandal um das Millionen-Netz ist noch lange nicht aufgeklärt.
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