Mutmaßliche Lungenpest in russischem Labor: Arzt hält „größere Ausbreitung für unwahrscheinlich“
Eine 28-jährige Mitarbeiterin eines russischen Anti-Pest-Forschungsinstituts ist am 2. Oktober 2026 auf der Intensivstation in Schelechow bei Irkutsk gestorben. Sie war mit Symptomen einer schweren Lungenentzündung eingeliefert und künstlich beatmet worden.
Lokale Medien berichteten, die Frau habe sich möglicherweise mit Lungenpest infiziert , als ihr am 25. September ein Reagenzglas mit lebenden Pest-Bakterien zerbrach. Die sogenannte Lungenpest ist eine besonders gefährliche Art der Infektion mit Pestbakterien . Sie führt schnell zum Tod und ist durch Tröpfcheninfektion beim Husten oder Niesen im engen Kontakt auch von Mensch zu Mensch übertragbar.
„Sollte es sich tatsächlich um einen einzelnen Fall von Lungenpest gehandelt haben, halte ich eine größere Ausbreitung nach dem derzeitigen Kenntnisstand für eher unwahrscheinlich“, entwarnt Roman Wölfel, Leiter des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr, gegenüber FOCUS online. Lungenpest sei zwar von Mensch zu Mensch übertragbar, dafür sei jedoch in der Regel ein enger Kontakt zu einem Erkrankten erforderlich. „Eine konsequente Identifizierung und Überwachung von Kontaktpersonen kann solche Infektionsketten wirksam unterbrechen.“
Nach derzeitigen Kenntnisstand werden rund 200 Kontaktpersonen, die die Patientin im Krankenhaus behandelt haben, medizinisch überwacht – bisher ohne positiven Befund. Das ist bei der Lungenpest besonders aussagekräftig: Die Inkubationszeit ist extrem kurz, laut Weltgesundheitsorganisation WHO teils nur 24 Stunden, in der Regel ein bis drei Tage. Seit dem Tod der Patientin am 2. Oktober sind drei Tage vergangen. Hätte sie den Erreger weitergegeben, wären mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits Folgefälle aufgetreten. Jeder weitere Tag ohne Sekundärinfektionen macht eine Ausbreitungskette unwahrscheinlicher.
Die für Seuchenbekämpfung zuständige russische Behörde Rospotrebnadsor erklärte am Wochenende über die Nachrichtenagentur Interfax: Die Frau sei an einer „Lungenentzündung unbekannter Herkunft“ gestorben. In Proben der Patientin seien keine Mikroorganismen nachgewiesen worden, „die mit ihrer beruflichen Tätigkeit in Zusammenhang stehen“. Auch einen Laborunfall am Institut habe es nicht gegeben.
In der Region Irkutsk stehen inzwischen dennoch fünf Krankenhäuser unter Quarantäne, darunter laut „Moscow Times“ auch eine Entbindungsstation. Nach Angaben des vom US-Kongress finanzierten Regionalmediums „Sibir.Realii“ befinden sich außerdem rund 60 Mitarbeiter des betroffenen Anti-Pest-Instituts in Quarantäne. Seit dem 2. Oktober sollen sie auf dem Boden und auf Stühlen der Forschungseinrichtung schlafen. Wie sicher die Informationen sind, ist nicht klar. Es gibt Berichte, wonach Warnungen und Medieneinträge über die Krankheitsfälle in der Region kurz nach Veröffentlichung gelöscht wurden .
Die Lungenpest überträgt sich durch Tröpfcheninfektion – also durch Husten oder Niesen im engen, direkten Kontakt. Das Robert Koch-Institut (RKI) beschreibt den relevanten Übertragungsweg als nahen Kontakt mit einer symptomatischen Person.
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