„Psychopathie-Checkliste“: Gina H. bekam 22 von 40 Punkten
Das psychiatrische Gutachten, das Facharzt Peter Keiper am 32. Verhandlungstag im Fabian-Prozess vorstellte, war eindeutig: Die Angeklagte Gina H. ist vollkommen schuldfähig.
Daran ändern auch ihr niedriger IQ von 76, ihre Lernbehinderung sowie ihre emotional-instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ nichts.
Ebenso hatte der Psychiater, der Gina H. dreimal in U-Haft befragt und auch während der Verhandlung begutachtet hatte, bei der Angeklagten „ psychopathische Persönlichkeitszüge “ entdeckt.
Wie der 64-Jährige erklärte, erfülle sie bestimmte Kriterien der „Psychopathy Checklist Revised“ (PCL-R) – ein Test zur Diagnostik von psychopathischen Persönlichkeitsmerkmalen . Dieser enthält 20 Kriterien, die sich auf vier Bereiche verteilen:
Bei der Angeklagten erkannte Keiper unter anderem folgende psychopathische Merkmale:
Jedes Kriterium – auch „Item“ genannt – der Checkliste lässt sich mit null bis zwei Punkten bewerten. Null Punkte bedeuten, dass das Item nicht vorhanden ist. Zwei Punkte zeigen, dass es stark ausgeprägt ist. Die niedrigste Bewertung, die in dem Test erzielt werden kann, sind also null Punkte. Die Höchstpunktzahl liegt bei 40 Punkten.
Laut Gutachten erreichte die Angeklagte insgesamt 22 Punkte. Ab 25 Punkten ist in Europa von einer klinisch relevanten Psychopathie die Rede. Gina H. habe also psychopathische Anteile, erklärte Keiper. Doch auch sie seien kein Grund für eine verminderte Schuldfähigkeit.
„Die psychopathischen Persönlichkeitszüge sind unabhängig von Schuld und Unschuld zu betrachten und stehen in keinem symptomatischen Zusammenhang mit der angeklagten Tat“, sagte der Gutachter. „Sie ist zwar krank, aber nicht in dem Maße, dass es ihre Handlungsfähigkeit einschränkt.“ Ob das Gericht dieser Einschätzung folge, werde sich zeigen.
1. Blender mit oberflächlichem Charme. Psychopathen haben die Tendenz, raffiniert und einnehmend zu sein. Das hilft ihnen, bestimmte Positionen zu erlangen – macht sie aber auch zu unangenehmen Gesprächspartnern.
2. Übersteigerter Selbstwert. Psychopathen können äußerst arrogant und eingebildet sein, da sie ihre eigenen Fähigkeiten maßlos überschätzen.
3. Exzessiver Erlebnishunger. Psychopathen suchen ständig nach Stimulation, sie gehen große Risiken ein und haben keine Angst vor den Folgen. Es wird ihnen schnell langweilig – häufige Jobwechsel sind eine mögliche Folge davon.
4. Pathologisches Lügen. Psychopathen sind oft krankhafte Lügner, die ihre Mitmenschen ohne Skrupel in die Irre führen.
5. Manipulatives Verhalten. Rücksichtslos suchen sie nach ihrem eigenen Vorteil – ohne mit ihren Opfern mitzufühlen.
6. Fehlen von Reue und Scham. Unbarmherzig sind Psychopathen blind für die Bedürfnisse anderer. Für ihre Opfer zeigen sie oft nur Verachtung.
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