"Frage von Leben und Tod"?: Ägypten riskiert viel mit Mega-Projekten in der Wüste
Ägypten ist geradezu vernarrt in Megaprojekte in der Wüste. Sie sollen Allheilmittel sein bei der rasant wachsenden Bevölkerung und immer knapper werdendem Wasser. Neuestes Beispiel: das "New Delta".
Tief in der beigefarbenen Wüste sind riesige grüne Kreise aufgetaucht, mitten im kargen Nirgendwo von Ägypten. Auf Satellitenfotos ist aus dem Weltall zu sehen, dass hier kahle Wüste in grünes, fruchtbares Land verwandelt werden soll - und mithilfe sogenannter Kreisberegnung entstehen kreisförmige Anbauflächen. Die Regierung feiert das im Mai eingeweihte "New Delta" als eines der größten Landwirtschaftsprojekte weltweit.
Weizen, Mais, Gemüse und Exportpflanzen wie Oliven und Feigen sollen hier wachsen auf einer Fläche, die mehr als der zehnfachen Größe Berlins entspricht. Gekostet hat das Projekt rund 15 Milliarden US-Dollar, mit dem Ziel, die Agrarfläche des Landes um 15 Prozent zu erweitern.
Aber warum ausgerechnet hier, wo nichts wächst und wo man zwischen Schnellstraße und einer gelegentlichen Tankstelle das Gefühl hat, auf dem Mars unterwegs zu sein und nicht in Nordafrika? Und warum bauen Ägypten und die Golfländer neben Agrarflächen auch neue Städte und Tourismusgebiete in der Wüste, wo es eigentlich kein Wasser und keinerlei Infrastruktur gibt?
Schon lang träumten Ägyptens Herrscher davon, soziale und wirtschaftliche Probleme durch Entwicklung der Wüste zu lösen, heißt es in David Sims Buch "Egypt's Desert Dreams". Nur vier Prozent des Landes sind landwirtschaftlich nutzbar. Und die Wüste auf beiden Seiten des Nils, die mehr als 95 Prozent der Landesfläche ausmacht, erwecke den Eindruck der Möglichkeit für "grenzenloses Wachstum". Mit Agrarflächen, Städten und Vorstädten und als "fast grenzenloser Trakt" für Autobahnen, Fabriken, Erholung und Tourismus.
In Ägypten ist die Wüste damit eine Art Hoffnungsträger, um viele Probleme anzupacken. Auch in der Golfregion gab und gibt es teils gigantische Bau- und Agrarprojekte. Viele scheiterten als Geisterstädte, die buchstäblich versandeten, und als Agrarflächen, die weit hinter erklärten Zielen zurückblieben. Die politischen Ambitionen überstiegen dabei oft das, was technisch machbar ist.
Auch finanziell sind die Projekte aus Sicht vieler Ökonomen eine Katastrophe. Denn Ägypten kann sie in seiner schweren Wirtschaftskrise kaum finanzieren. Geld kam vielfach aus den reichen Golfstaaten, aber deren Bereitschaft für Investitionen in Ägypten sinkt. Die Projekte haben die Auslandsverschuldung des Landes, derzeit bei über 160 Milliarden Dollar, in die Höhe schießen lassen. Dabei ist es Kairo gelungen, mit umstrittenen Methoden mehr und mehr Kredite aufzunehmen. So gibt es immer neue Anläufe für Wüsten-Projekte.
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