Sexualtherapeutin würde Fremdgehen auf dem Münchner Oktoberfest nicht beichten
FOCUS online: Die Wiesn-Zeit in München hat wieder begonnen. Viel Bier, viel Geschmuse – ist das Oktoberfest eine Fremdgeh-Falle?
Beatrice Wagner: Total! Übrigens genau wie die Weihnachtsfeier (lacht) ! Nein, tatsächlich ist es natürlich ein Unterschied, ob man gepflegt mit der Freundin ein Hendl isst oder wild im Festzelt feiert . Ich habe letztens einen Video-Mitschnitt aus einem Zelt gesehen, das grenzt schon fast an eine Massen-Orgie. Es kann schwer sein, sich dem zu entziehen. Also ja, die Gefahr ist da – und für viele groß.
Wagner: Ich bin sonst immer für Offenheit, aber hier würde ich es nicht erzählen – wenn es denn eine einmalige Sache war. Das verletzt den Partner nur unnötig und er leidet. Wenn es doch rauskommt, dann ehrlich entschuldigen und die Verletzung des Partners wertschätzen, nicht herunterspielen!
Wagner: Ja. Die Reue muss spürbar sein und das Versprechen, dass es ein einmaliger Ausrutscher war, auch. Und wichtig: Auf keinen Fall intime Details erzählen, auch wenn der Partner das vielleicht im ersten Moment fordert. Aber die Bilder verletzen und bleiben im Kopf.
Haben Sie das auch in Ihrer Praxis erlebt? Dass Paare Sie gezielt nach der Wiesn aufsuchen, weil dort betrogen wurde?
Wagner: Ich bekomme es auf jeden Fall mit, auch wenn die Klienten jetzt nicht nach der Wiesn sturmklingeln (lacht) . Aber Seitensprünge passieren dort schon.
Wagner: Das muss jedes Paar für sich selbst herausfinden und besprechen. Knutschen kann meiner Meinung nach genauso verletzend sein wie Sex. Flirten und dem Gegenüber zeigen, dass man unter anderen Umständen vielleicht offen wäre, also den eigenen Marktwert erkunden, finde ich in Ordnung. Aber wie gesagt: Die Spielregeln legt jedes Paar für sich selbst fest.
Wagner: Früher hätte ich gesagt, die Männer. Mittlerweile glaube ich aber, dass es eher ausgeglichen ist. Frauen reden nur nicht so darüber. Männer brüsten sich ja gerne mit Eroberungen und gelten dann allgemein als Frauenheld. Frauen müssen dagegen immer noch mit Verurteilung und Stigmata rechnen, wenn sie offen über viele Sex-Partner besprechen. Es ist unfair.
Wagner: Natürlich! Für die große Liebe gibt es nur richtige Momente. Und angetrunken einen schönen Abend verbringen – das vergoldet das Erlebnis doch und bildet einen schönen Anfangsmythos. Also am besten nicht sturzbetrunken sein, sonst kriegt man nicht mit, wenn die große Liebe vor einem steht.
Transparenzhinweis: Das Interview erschien erstmalig zum Oktoberfest im Jahr 2024.
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