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Reisners Blick auf die Front: "Der russische Vormarsch ist sichtbar"

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Reisners Blick auf die Front: "Der russische Vormarsch ist sichtbar"

Bei allem ukrainischen Erfolg gegen russische Raffinerien und Logistikzentren: Im Donbass marschieren die Kreml-Truppen vor, erklärt Oberst Reisner ntv.de. Und sie zielen auf Kiews Achillesferse.

ntv.de: Die Ukraine hat in den vergangenen Monaten an der Südfront 600 Quadratkilometer Land befreien können, laut Berechnung des Institute for the Study of War. Wie gelingt es, in einer komplett kontrollierten Todeszone Boden gutzumachen?

Markus Reisner: Von den beiden Kriegsparteien gibt es folgende Zahlen: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj spricht von 26 Dörfern und 745 Quadratkilometern besetzten Landes, das ukrainische Truppen zurückerobert hätten. Das wäre fast zweimal die Fläche der Stadt Wien. Demgegenüber melden die Russen 2200 Quadratkilometer erobertes Land in den ersten sechs Monaten des Jahres. Das wäre die nahezu fünffache Fläche von Wien. Beide taktischen Erfolge müssten auf einem Gefechtsfeld gelungen sein, auf dem viele tausend Drohnen es nahezu unmöglich machen, sich ungesehen zu bewegen. Beide Seiten bewegen sich aber mit jeweils kleinen Trupps, sogenannten Stoß- oder Infiltrationstrupps, die vorrücken, dabei aber auch immer wieder erkannt werden. Dann werden diese Soldaten schwer verwundet oder getötet, also als kampfkräftiges Element "neutralisiert".

Die vielen toten Soldaten sind das Ergebnis dieses Prozesses, darum der Name, sie wird aber auch Grauzone genannt. Innerhalb dieser Zone hissen russische und inzwischen auch ukrainische Soldaten immer wieder nationale Flaggen in Ortschaften. Einzelne Trupps präsentieren ihre Flagge, eine Drohne filmt das und transportiert die Aussage: Dieser Ort ist im Besitz der Ukraine oder der russischen Truppen. In den ersten Kriegsjahren war das vor allem eine russische Praxis, inzwischen zeigen auch ukrainische Truppen ihre Flagge und transportieren die Erfolgsbotschaft in den sozialen Medien. Allerdings ist das in der Grauzone immer nur eine Momentaufnahme. Oft werden die Flaggenhisser kurze Zeit später getötet und das Gebiet fällt wieder unter die Kontrolle des Gegners. Entlang der gesamten Front kommt es ständig zu Geländeverschiebungen innerhalb der Grauzone. Ob das eroberte Gebiet dauerhaft von der erfolgreichen Partei kontrolliert werden kann, bleibt aber offen.

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