Lieber College als NFL: Führt ein Tabubruch zur Zeitenwende im amerikanischen Sport?
Dae'Quan Wright war nach vier Jahren am College im NFL Draft 2026 nicht gezogen worden und schloss sich anschließend als Undrafted Free Agent den Cleveland Browns an. Diese haben ihn entlassen, nachdem bekannt wurde, dass er sich im Transfer Portal im College Football angemeldet hat. Der Plan: Er will nun doch wieder ans College zurück und ein fünftes Jahr dort spielen.
Allgemein gilt, dass College-Athleten nur vier Jahre lang an Sportprogrammen teilnehmen und spielen dürfen. Das jedenfalls war die bisherige Regel, die eigentlich auch noch für die neue Saison, die am kommenden Wochenende losgeht, gilt. Ein bahnbrechendes Gerichtsurteil vor wenigen Monaten sorgte nun dafür, dass man sogar fünf reguläre Jahre am College aktiv sein kann. Doch das soll erst im kommenden Jahr in Kraft treten.
Das wiederum fanden einige Spieler der Recruiting-Klasse von 2022 unfair und reichten daher in diversen Bundesstaaten Klagen ein, mit dem Ziel, schon 2026 auch noch ein Extra-Jahr am College spielen zu dürfen. Im Bundesstaat Louisiana klagten 30 Sportler, darunter 16 Footballer - Wright ist einer davon - und ein Richter gewährte den Klägern zunächst mal eine einstweilige Verfügung, während die Klage ihren Lauf nimmt. Wright könnte der erste NFL-Spieler sein, der von dieser Regeländerung Gebrauch machen würde.
Zunächst muss Wright als Spieler in seinem ersten Jahr jedoch die Waiver Wire durchlaufen. Spieler, die weniger als vier angerechnete Jahre in der NFL sind, werden nicht einfach Free Agents, wenn sie entlassen werden. Das heißt nun, dass jedes andere Team einen Waiver Claim für Wright abgeben kann. Tut das niemand, wäre er frei. Und in diesem Fall ginge es dann tatsächlich zurück ans College, wie seine Agenten Drew Rosenhaus und Kyle Lincoln gegenüber Adam Schefter von ESPN bereits bestätigt haben.
"Mann, ist das nicht verdammt verrückt?", sagte Browns-Head-Coach Todd Monken am Samstag auf die Frage nach Wrights Situation. "Ich weiß nicht einmal, was ich dazu sagen soll." Monken ergänzte: "Ich habe mich schon gewundert, warum Lane Kiffin mich vor einer Woche kontaktiert hat - jetzt weiß ich es. Ich habe ihn nicht zurückgerufen. Hätte ich wohl besser tun sollen." Monken ergänzte, dass Wright bislang verletzungsbedingt nicht gespielt hat, er stand jedoch am Samstag immerhin erstmals im Spieltagskader in der Preseason gegen Buffalo, auch wenn er nicht eingesetzt wurde.
Konkret will er zur LSU (Louisiana State University). Nicht, weil das seine Alma Mater wäre. Vielmehr ist dort Lane Kiffin seit diesem Jahr der Head Coach. Unter Kiffin spielte Wright, der zunächst zwei Jahre für Virginia Tech gespielt hatte, in den vergangenen zwei Jahren bei OIe Miss (University of Mississippi) Football und hatte 2025 seine beste Saison. Nun will er daran unter Kiffin anknüpfen - und sicherlich mehr Geld abgreifen, als er im kommenden Jahr und womöglich auch über seinen gesamten Rookie-Vertrag hinweg verdient hätte. Wright hätte in dieser Saison als NFL-Spieler 885.000 Dollar verdient und sein Vertrag hatte eine Gesamtsumme von 3,1 Millionen Dollar über drei Jahre.
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